Die geplante Änderung der bayerischen Kirchenverfassung

Die Evangelisch-Lutherische Kirche lebt in der Gemeinschaft der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche aus dem Worte Gottes, das in Jesus Christus Mensch geworden ist und in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes bezeugt wird. So beginnt die Verfassung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Demnächst soll als zweiter Satz eine Aussage über das Verhältnis der Kirche zum jüdischen Volk folgen.

Hierfür haben die kirchenleitenden Organe nach der Frühjahrssynode 2010 folgende Formulierung zunächst vorgeschlagen:

Mit der ganzen Kirche Jesu Christi ist sie [die Evangelisch-Lutherische Kirche] aus der tragenden Wurzel des biblischen Israel hervorgegangen, sie bezeugt mit der Heiligen Schrift die bleibende Erwählung des Volkes Israels und weiß sich dem jüdischen Volk geschwisterlich verbunden.

Die Textergänzung ging den Dekanatsbezirken, Einrichtungen, Diensten und Werken sowie den theologischen Ausbildungsstätten mit der Bitte um Rückmeldung zu. Es entbrannte eine in der Intensität nicht erwartete Debatte, so dass nach Eingang aller Rückmeldungen die Gremien erneut zusammenkommen mussten und einen zweiten Vorschlag vorlegten.

Eine mögliche Kompromissformulierung trug der Vorsitzende des Grundfragenausschusses der Landessynode Prof. Dr. Helmut Utzschneider während der Herbstsynode 2011 vor. Der Gemischte Ausschuss zur Ergänzung der Kirchenverfassung hatte ihn in seiner Sitzung im Juli 2011 erarbeitet. Die kritischen Stimmen zum ursprünglichen Vorschlag waren dabei berücksichtigt worden. Nach dem ersten Satz der Präambel der Kirchenverfassung soll nun eingefügt werden:

Mit der ganzen Kirche Jesus Christi ist sie [die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern] aus dem biblischen Gottesvolk Israel hervorgegangen und bezeugt mit der Heiligen Schrift dessen bleibende Erwählung.

Schweren Herzens habe sich der Ausschuss zur Streichung des Teilsatzes „und weiß sich dem jüdischen Volk geschwisterlich verbunden“ entschieden, weil die Einfügung insgesamt als zu lang empfunden wurde und die Aussagerichtung eher praktisch als grundsätzlich-theologisch sei. Um so mehr gehe der Ausschuss davon aus, dass das gegenwärtige und zukünftige Verhältnis zu Jüdinnen und Juden sowie zu jüdischen Gemeinden im Recht und in der Praxis unserer Kirche im Sinne der Geschwisterlichkeit konkretisiert werde.

Der jetzige Bischof, Dr. Bedford-Strohm, betonte in seinem Bischofsbericht, dass ihm das Verhältnis der Kirche zum Judentum ihm seit seinem Studium persönlich besonders wichtig gewesen sei. So freue er sich über die intensiven und konstruktiven Auseinandersetzungen über die geplante Ergänzung der bayerischen Kirchenverfassung um einen Passus, der die grundlegende Verbindung von Kirche und Judentum unterstreicht, und er sei zuversichtlich, dass eine Formulierung gefunden werde, die bei der nächsten Zusammenkunft der Synode im März 2012 verabschiedet werden könne.

Die Berichte von Landesbischof Prof. Dr. Heinricht-Bedford-Strohm und von Prof. Dr. Helmut Utzschneider während der Herbstsynode 2011 finden Sie hier:

Grundlegendes zur Ergänzung der Kirchenverfassung

Änderung von Kirchenordnungen bzw. Kirchenverfassungen im Bereich der EKD zum Thema Christen und Juden (Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Kraus, Januar 2010)

Ein Israel-Artikel in der Kirchenverfassung? Kritische Stellungnahme von Dekan Dr. Reinhard Brandt

Stellungnahme von Prof. Dr. Helmut Utzschneider zu den Argumenten von Dekan Dr. Brandt

Stellungnahme der Theologischen AG