Verlautbarung zum Antisemitismus / Antijudaismus


Begegnung von Christen und Juden (BCJ.Bayern)

Verein zur Förderung des christlich-jüdischen Gesprächs
in der Evangelisch -Lutherischen Kirche in Bayern

 

vom 20.4.2015

 

Vor 70 Jahren endete die von weiten Teilen der Bevölkerung in Deutschland mitgetragene nationalsozialistische Gewaltherrschaft.

Vieles in unserem Land hat sich in den letzten Jahrzehnten zum Besseren entwickelt, wie es auch rechtsstaatlichen Grundsätzen entspricht: Besonders freut es uns, dass trotz der Geschichte wieder Juden in Deutschland leben, die sich als Deutsche verstehen, und denen dies niemand streitig machen kann.

Der Antisemitismus/Antijudaismus konnte allerdings nie vollkommen überwunden werden. Er hat die abendländisch-westliche Kultur mitgeprägt und ist tief in ihr verwurzelt. Zusätzlich haben Einwanderer aus muslimischen Ländern teilweise antizionistische Ressentiments mitgebracht. Mit Hinweis auf den Nahostkonflikt haben sich Menschen antijüdische Stereotypen zu eigen gemacht. Ein antisemitischer Bodensatz ist in unserer Gesellschaft nach wie vor vorhanden. Er kennzeichnet nicht die Grundstimmung in unserem Land, doch gibt er Jüdinnen und Juden Anlass zur Sorge und verunsichert sie.

Nicht hinnehmbar sind Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit in Deutschland oder Europa wie

-       Terrorangriffe auf Juden in Paris und Kopenhagen

-       persönliche Angriffe auf Juden in Berlin

-       antisemitische Parolen rechter wie linker Parteien wie etwa der Jobbik-Partei in Ungarn oder von Linken in Deutschland

-       als Kritik an Israel getarnter Antisemitismus bei Demonstrationen zum Nah-Ost-Konflikt

-       Import von Judenhass durch radikalisierte Rückkehrer aus dem Nahen/Mittleren Osten und dem Maghreb

-       Gefährdung von Menschen jüdischen Glaubens, wenn sie sich in der Öffentlichkeit als Juden durch Kippa oder Davidsstern zu erkennen geben.

Solche antisemitischen Angriffe und Parolen bedrohen nicht nur Juden, sondern sind eine Gefahr für unser Gemeinwesen und für unser europäisches Haus. Antisemitismus ist als Problem der gesamten Gesellschaft zu begreifen. Alle Menschen guten Willens sind aufgerufen, dagegen Stellung zu beziehen durch Wort und Tat. Antisemitismus wie auch Rassismus oder Diskriminierung von Minderheiten dürfen in Deutschland und in Europa keinen Platz haben.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat im Jahr 1998 in der Einsicht, dass auch in kirchlicher Verkündigung und Lehre noch immer antijüdische Motive eine Rolle spielen, eine Erklärung zum Verhältnis von Kirche und Judentum verabschiedet. Darin heißt es u.a.:

„Bei Anerkenntnis der bleibenden Erwählung des jüdischen Volkes und der zentralen Bedeutung des christlich-jüdischen Verhältnisses wird Antijudaismus als dem innersten Wesen des christlichen Glaubens entgegengesetzt erkannt. Deshalb gehört es zu den ureigensten Aufgaben der Kirche, sich von jeglicher Judenfeindschaft loszusagen, ihr dort, wo sie sich regt, zu widerstehen und sich um ein Verhältnis zu Juden und zu jüdischer Religion zu bemühen, das von Respekt, Offenheit und Dialogbereitschaft geprägt ist.“

Beraten und verabschiedet von der Theol. Arbeitsgemeinschaft von BCJ.Bayern am 20.4.2015 (V.i.S.d.P. Prof. Dr. Wolfgang Kraus)

--

Zur PDF-Version gelangen Sie hier.