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BlickWechsel: Christen und Juden - Juden und Christen

Am 2. Juli 2002 wurde die Ausstellung in Gegenwart der drei Schirmherren, dem Präsidenten des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden, Dr. Josef Schuster, dem bayerischen Innenminister, Dr. Günther Beckstein, und dem Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Dr. Johannes Friedrich, feierlich in Regensburg eröffnet.

Die Ausstellung wurde an über 30 Orten in ganz Bayern gezeigt; an jedem Ort werden eigens für die Ausstellung MitarbeiterInnen geschult, die dann durch die Ausstellung führen und als Ansprechpersonen für das Publikum zur Verfügung stehen. Gerahmt wird die Ausstellung in aller Regel von einem intensiven Programm zum Thema Juden und Christen. Auf diese Weise steht die Ausstellung noch einmal mehr in der Linie der Erklärung Christen und Juden vom November 1998, die in ihrem letzten Abschnitt darum bittet, dass auf den verschiedenen Ebenen kirchlichen Lebens an dem Thema weitergearbeitet wird. In der Tat bedarf es hier noch großer Anstrengungen, stehen wir nach einer fast zweitausendjährigen Geschichte der Vergegnung gerade erst am Anfang einer Begegnung und eines Dialogs.

Die Ausstellung setzt nun nicht zuerst bei den schwierigen und vielen Zeitgenossen oft unzugänglichen theologischen Themen an, sie will vielmehr den Besucher/die Besucherin in einen dynamischen Wahrnehmungsprozess hineinziehen. Dafür stehen ein zerbrochener Spiegel mit Polaroidbildern von Juden und Christen am Eingang und eine Reihe von zu lesenden und seit neuestem auch zu hörenden Interviews mit Jüdinnen und Juden aus Bayern. Der zerbrochene Spiegel mag irritieren, aber führt gerade dadurch zum Nachdenken: ich sehe mich anders als gewohnt, gebrochen, in Stücke zerteilt, verzerrt und zugleich: ich sehe andere, Christen und Juden, und andere, Juden und Christen, sehen mich. Einerseits: den anderen als den Anderen wahrnehmen in seinem Selbstverständnis, in seiner Andersartigkeit und in seiner Ähnlichkeit zu mir. Andererseits: gerade dadurch, dass ich den anderen anfange als den Anderen zu sehen und zu respektieren, fange ich an mich selbst neu zu sehen, meine eigene Tradition in anderem Licht zu sehen, die eigene Identität noch einmal neu zu durchdenken und dadurch zu festigen.

In Korrespondenz zu dem Spiegel am Eingang stehen in der Mitte der Ausstellung, sozusagen als das Herz 15 Interviews mit in Bayern lebenden Jüdinnen und Juden (verstorben ist Irit Ciubotaru sel. A.). Wir wollen mit diesen Interviews hineinführen in eine vielfältige jüdische Welt, in der es nicht um die Darstellung eines autoritativen Judentums geht, sondern um die Vielfalt, wie sich Judentum zeigt.

Der Spiegel und die Interviews zeigen an: es geht uns in dieser Ausstellung sehr stark um die Gegenwart: wie können Juden und Christen hier in Bayern miteinander leben, so dass sich Juden nicht permanent verletzt, bedroht oder missverstanden fühlen müssen und dass Christen merken, wie sehr es ein Gewinn für sie wird, Jüdinnen und Juden in ihrem Selbstverständnis wahrzunehmen und alte Vorurteile zu revidieren.